Sommersemester 2026
Architekturbezogene Kunst 2
SHELTER
Das Sommersemester widmet sich dem Thema Shelter als grundlegender architektonischer, sozialer und ökologischer Kategorie. Der Begriff wird dabei bewusst offen verstanden und umfasst Schutz, Rückzug, Hülle, Notunterkunft und Habitat. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass Shelter den Ursprung von Architektur bildet – von archaischen Formen wie Höhlen, Urhäusern und Hütten bis hin zu zeitgenössischen Not- und Übergangsarchitekturen. Im Fokus stehen sowohl menschliche als auch nicht-menschliche Schutzräume. Vor dem Hintergrund globaler Krisen – Obdachlosigkeit, Flucht, Klimawandel und Artensterben – untersuchen Sie Shelter als lebensnotwendige, oft prekäre Strukturen, die unter Bedingungen von Mangel, Unsicherheit und Zeitdruck entstehen. Dabei werden soziale Realitäten wie Obdachlosigkeit im urbanen Raum ebenso thematisiert wie der Verlust von Lebensräumen für wildlebende Tierarten. In unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, die Sie wählen können, werden Shelter als Notunterkünfte, Rückzugsräume, Überlebensarchitekturen und Habitatstrukturen analysiert und entworfen. Künstlerische und architektonische Referenzen (u. a. Lucy Orta, Andrea Zittel, Beverly Buchanan) dienen als Impulsgeber*innen für eine kritische Auseinandersetzung mit Fragen von Schutz, Ungleichheit, Materialität und Improvisation. Die Entwurfsarbeit ist praxisorientiert angelegt und umfasst Ortsbeobachtungen, Mapping, Materialexperimente, Prototypenbau sowie 1:1-Umsetzungen. Shelter werden gebaut, untersucht, dekonstruiert, transformiert und neu zusammengesetzt. Ziel ist es, Shelter nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern als räumliche Praxis erfahrbar zu machen – zwischen Objekt, Körper, Landschaft und sozialem Kontext.
Habitatstrukturen – Tier-Shelter
Betreuung: Prof. Folke Köbberling, Sina Heffner, Bernd Schulz, Michael Zwingmann
Der globale Rückgang der biologischen Vielfalt stellt eine der zentralen ökologischen Herausforderungen der Gegenwart dar. Weltweit sind Millionen von Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, wobei anthropogene Landnutzungsänderungen, insbesondere die Umwandlung ehemals unversiegelter Flächen in Siedlungs- und Verkehrsraum, zu den maßgeblichen Ursachen zählen.Die Arbeit in unseren Gruppen fokussiert die Konzeption, Entwicklung und Realisierung von Habitatstrukturen in Form von Sheltern für wildlebende Tierarten. Ziel ist die Untersuchung und Gestaltung räumlicher Strukturen, die als Rückzugs-, Schutz- und Lebensräume fungieren. Hierzu werden natürliche Baustoffe wie Stein, Holz, Lehm und Schafswolle sowie ausgewählte Kompositmaterialien eingesetzt und hinsichtlich ihrer ökologischen, konstruktiven und gestalterischen Eigenschaften analysiert. Im Verlauf des Workshops werden Entwürfe von Mikro-Sheltern im Maßstab 1:1 erarbeitet und prototypisch umgesetzt. Diese Einzelstrukturen sind als modulare Elemente konzipiert und werden zu einer übergeordneten plastischen Gesamtstruktur auf dem Gelände des IAK zusammengefügt. Darüber hinaus werden die im Entwurfs- und Realisierungsprozess gewonnenen Erkenntnisse auf eine Ausgleichsfläche im Bereich der Mensa 2/Beethovenstraße im Campus Park Ost übertragen und dort in die Umsetzung weiterer Habitatstrukturen integriert. Die Arbeit ist geprägt durch einen forschungsorientierten Entwurfsprozess, ortsspezifisches Arbeiten, eine materialanalytische Herangehensweise sowie die unmittelbare räumlich-konstruktive Erfahrung im Maßstab 1:1.
Shelter – Notunterkunft
Betreuung: Max Jeromin und Gergely Laszlo
Prämisse: Weltweit leben schätzungsweise 150 Millionen Menschen obdachlos auf der Straße, in Notunterkünften oder unter provisorischen, unsicheren Bedingungen. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass sogar bis zu 300 Millionen Menschen, also fast 2 % der Weltbevölkerung, in irgendeiner Form von Obdachlosigkeit leben. Darüber hinaus leben über 1,1 Milliarden Menschen in slumähnlichen, unzureichenden Unterkünften. Architekturen, die aus der Not heraus entstehen. Eine Not, die den meisten von uns unvorstellbar ist. Der Zustand von Flucht, Angst, Hunger, Durst und kompletter existentieller Ungewissheit ist vielen von uns nur aus Erzählungen bekannt. Jedoch kennen wir diese Erzählungen aus nächster Nähe. Die meisten von uns stammen sogar aus Familien, die vielleicht nur wenige Generationen zuvor Erfahrung mit Notunterkünften gemacht haben. Die Architektur der Not entsteht auf schnellstem Wege, makeshift, aus auffindbarem Material. Im besten Fall erfüllt der Bau die allernotwendigsten Bedürfnisse zum Überleben. Diese prekäre Struktur dient als Schutz vor Witterung und Tieren, vor Gewalt. Ein Hauch von Sicherheit und Geborgenheit. Sie ist lebenswichtig, unser letztes Gut.Wir setzen uns mit dem Aufbau dieser Architektur auseinander – im wortwörtlichen wie im metaphorischen Sinne. Wir bauen unsere eigenen Shelter. Wir dekonstruieren sie. Wir messen sie, untersuchen sie und dokumentieren sie. Wir bewegen sie, wir verkleinern sie. Wir kopieren sie. Wir zerstören sie und recyceln sie. Wir widmen sie um und entfremden sie. Wir erzählen über sie und berichten über sie. Schlussendlich rekonstruieren wir sie.
Schutzmaschinen & Shacks – Shelter als Praxis
Betreuung: Stella Flatten
In diesem Workshop untersuchen wir, was Shelter bedeuten können: Schutzräume als Ort zum Ankommen, Rückzug, Durchhalten oder Überleben. Shelter ist dabei nicht nur eine „Notunterkunft“, sondern kann ganz unterschiedlich aussehen – als kleine Struktur, als räumliche Situation, als improvisierte Lösung oder als Teil von Landschaft und Infrastruktur. Wir sprechen darüber, warum Shelter in Krisenzeiten wieder wichtig werden (z.B. in Bezug auf Klima, Konflikte, Erschöpfung) – und was Architektur dazu beitragen kann.Ein wichtiger Bezug ist dabei die Künstlerin Beverly Buchanan. Sie hat kleine Hütten („Shacks“) als Skulpturen gebaut: rau, unperfekt, oft wie schnell zusammengestellte Behausungen. Ihre Arbeiten zeigen Shelter nicht als „schönes Design“, sondern als Spur von Alltag, als Überlebensarchitektur und als Zeichen dafür, dass Schutz oft auch mit Ungleichheit und Ausgrenzung zu tun hat. Ausgehend von Fallbeispielen aus unserem Alltag, Geschichte und Gegenwart (u.a. Bunker, Provisorien, Rückzugsräume, Klimaschutz-Architekturen) entwickeln wir eigene räumliche Konzepte im Maßstab zwischen Objekt, Raum und Terrain.Im Workshop fragen wir: Wie entsteht Schutz – ganz praktisch? Wir arbeiten mit Ortsbeobachtung, Skizzen, Mapping, Materialtests und Prototypen. Hierzu erkunden wir am Nordcampus Orte, Wege, Böden, Vegetation und Übergänge und nutzen sie als Ausgangspunkt, um eigene Shelter-Ideen zu entwickeln. Dabei wird auch mit „grabenden“ oder schichtenden Methoden gearbeitet: Shelter als Eingriff im Boden, als Vertiefung, als Verdichtung oder als Schwelle. Am Ende geht es darum, Shelter nicht nur zu diskutieren, sondern sichtbar und testbar zu machen: als Modell, Konzept, Raumstudie oder 1:1-Test.
Architekturbezogene Kunst 2
SHELTER
Das Sommersemester widmet sich dem Thema Shelter als grundlegender architektonischer, sozialer und ökologischer Kategorie. Der Begriff wird dabei bewusst offen verstanden und umfasst Schutz, Rückzug, Hülle, Notunterkunft und Habitat. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass Shelter den Ursprung von Architektur bildet – von archaischen Formen wie Höhlen, Urhäusern und Hütten bis hin zu zeitgenössischen Not- und Übergangsarchitekturen. Im Fokus stehen sowohl menschliche als auch nicht-menschliche Schutzräume. Vor dem Hintergrund globaler Krisen – Obdachlosigkeit, Flucht, Klimawandel und Artensterben – untersuchen Sie Shelter als lebensnotwendige, oft prekäre Strukturen, die unter Bedingungen von Mangel, Unsicherheit und Zeitdruck entstehen. Dabei werden soziale Realitäten wie Obdachlosigkeit im urbanen Raum ebenso thematisiert wie der Verlust von Lebensräumen für wildlebende Tierarten. In unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, die Sie wählen können, werden Shelter als Notunterkünfte, Rückzugsräume, Überlebensarchitekturen und Habitatstrukturen analysiert und entworfen. Künstlerische und architektonische Referenzen (u. a. Lucy Orta, Andrea Zittel, Beverly Buchanan) dienen als Impulsgeber*innen für eine kritische Auseinandersetzung mit Fragen von Schutz, Ungleichheit, Materialität und Improvisation. Die Entwurfsarbeit ist praxisorientiert angelegt und umfasst Ortsbeobachtungen, Mapping, Materialexperimente, Prototypenbau sowie 1:1-Umsetzungen. Shelter werden gebaut, untersucht, dekonstruiert, transformiert und neu zusammengesetzt. Ziel ist es, Shelter nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern als räumliche Praxis erfahrbar zu machen – zwischen Objekt, Körper, Landschaft und sozialem Kontext.
Habitatstrukturen – Tier-Shelter
Betreuung: Prof. Folke Köbberling, Sina Heffner, Bernd Schulz, Michael Zwingmann
Der globale Rückgang der biologischen Vielfalt stellt eine der zentralen ökologischen Herausforderungen der Gegenwart dar. Weltweit sind Millionen von Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, wobei anthropogene Landnutzungsänderungen, insbesondere die Umwandlung ehemals unversiegelter Flächen in Siedlungs- und Verkehrsraum, zu den maßgeblichen Ursachen zählen.Die Arbeit in unseren Gruppen fokussiert die Konzeption, Entwicklung und Realisierung von Habitatstrukturen in Form von Sheltern für wildlebende Tierarten. Ziel ist die Untersuchung und Gestaltung räumlicher Strukturen, die als Rückzugs-, Schutz- und Lebensräume fungieren. Hierzu werden natürliche Baustoffe wie Stein, Holz, Lehm und Schafswolle sowie ausgewählte Kompositmaterialien eingesetzt und hinsichtlich ihrer ökologischen, konstruktiven und gestalterischen Eigenschaften analysiert. Im Verlauf des Workshops werden Entwürfe von Mikro-Sheltern im Maßstab 1:1 erarbeitet und prototypisch umgesetzt. Diese Einzelstrukturen sind als modulare Elemente konzipiert und werden zu einer übergeordneten plastischen Gesamtstruktur auf dem Gelände des IAK zusammengefügt. Darüber hinaus werden die im Entwurfs- und Realisierungsprozess gewonnenen Erkenntnisse auf eine Ausgleichsfläche im Bereich der Mensa 2/Beethovenstraße im Campus Park Ost übertragen und dort in die Umsetzung weiterer Habitatstrukturen integriert. Die Arbeit ist geprägt durch einen forschungsorientierten Entwurfsprozess, ortsspezifisches Arbeiten, eine materialanalytische Herangehensweise sowie die unmittelbare räumlich-konstruktive Erfahrung im Maßstab 1:1.
Shelter – Notunterkunft
Betreuung: Max Jeromin und Gergely Laszlo
Prämisse: Weltweit leben schätzungsweise 150 Millionen Menschen obdachlos auf der Straße, in Notunterkünften oder unter provisorischen, unsicheren Bedingungen. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass sogar bis zu 300 Millionen Menschen, also fast 2 % der Weltbevölkerung, in irgendeiner Form von Obdachlosigkeit leben. Darüber hinaus leben über 1,1 Milliarden Menschen in slumähnlichen, unzureichenden Unterkünften. Architekturen, die aus der Not heraus entstehen. Eine Not, die den meisten von uns unvorstellbar ist. Der Zustand von Flucht, Angst, Hunger, Durst und kompletter existentieller Ungewissheit ist vielen von uns nur aus Erzählungen bekannt. Jedoch kennen wir diese Erzählungen aus nächster Nähe. Die meisten von uns stammen sogar aus Familien, die vielleicht nur wenige Generationen zuvor Erfahrung mit Notunterkünften gemacht haben. Die Architektur der Not entsteht auf schnellstem Wege, makeshift, aus auffindbarem Material. Im besten Fall erfüllt der Bau die allernotwendigsten Bedürfnisse zum Überleben. Diese prekäre Struktur dient als Schutz vor Witterung und Tieren, vor Gewalt. Ein Hauch von Sicherheit und Geborgenheit. Sie ist lebenswichtig, unser letztes Gut.Wir setzen uns mit dem Aufbau dieser Architektur auseinander – im wortwörtlichen wie im metaphorischen Sinne. Wir bauen unsere eigenen Shelter. Wir dekonstruieren sie. Wir messen sie, untersuchen sie und dokumentieren sie. Wir bewegen sie, wir verkleinern sie. Wir kopieren sie. Wir zerstören sie und recyceln sie. Wir widmen sie um und entfremden sie. Wir erzählen über sie und berichten über sie. Schlussendlich rekonstruieren wir sie.
Schutzmaschinen & Shacks – Shelter als Praxis
Betreuung: Stella Flatten
In diesem Workshop untersuchen wir, was Shelter bedeuten können: Schutzräume als Ort zum Ankommen, Rückzug, Durchhalten oder Überleben. Shelter ist dabei nicht nur eine „Notunterkunft“, sondern kann ganz unterschiedlich aussehen – als kleine Struktur, als räumliche Situation, als improvisierte Lösung oder als Teil von Landschaft und Infrastruktur. Wir sprechen darüber, warum Shelter in Krisenzeiten wieder wichtig werden (z.B. in Bezug auf Klima, Konflikte, Erschöpfung) – und was Architektur dazu beitragen kann.Ein wichtiger Bezug ist dabei die Künstlerin Beverly Buchanan. Sie hat kleine Hütten („Shacks“) als Skulpturen gebaut: rau, unperfekt, oft wie schnell zusammengestellte Behausungen. Ihre Arbeiten zeigen Shelter nicht als „schönes Design“, sondern als Spur von Alltag, als Überlebensarchitektur und als Zeichen dafür, dass Schutz oft auch mit Ungleichheit und Ausgrenzung zu tun hat. Ausgehend von Fallbeispielen aus unserem Alltag, Geschichte und Gegenwart (u.a. Bunker, Provisorien, Rückzugsräume, Klimaschutz-Architekturen) entwickeln wir eigene räumliche Konzepte im Maßstab zwischen Objekt, Raum und Terrain.Im Workshop fragen wir: Wie entsteht Schutz – ganz praktisch? Wir arbeiten mit Ortsbeobachtung, Skizzen, Mapping, Materialtests und Prototypen. Hierzu erkunden wir am Nordcampus Orte, Wege, Böden, Vegetation und Übergänge und nutzen sie als Ausgangspunkt, um eigene Shelter-Ideen zu entwickeln. Dabei wird auch mit „grabenden“ oder schichtenden Methoden gearbeitet: Shelter als Eingriff im Boden, als Vertiefung, als Verdichtung oder als Schwelle. Am Ende geht es darum, Shelter nicht nur zu diskutieren, sondern sichtbar und testbar zu machen: als Modell, Konzept, Raumstudie oder 1:1-Test.